Was ist Headshaking?

Immer mehr und fast schon trendartig wird diese Erkrankung diagnostiziert oder von  Pferdebesitzern mit Erschrecken vermutet oder erkannt.
Und leider sind Nachforschungen im Internet sehr unbefriedigend, denn bei dem einen Pferd wirkt das Nasennetz oder das spezielle Zusatzfuttermittel so wunderbar und bei dem anderen ganz und gar nicht.
Was jedoch gerade beim Headshaker so wichtig ist, wird scheinbar immer wieder vernachlässigt:
Die gründliche Untersuchung des betroffenen Pferdes, bei der es unter Umständen das erweiterte Wissen verschiedener tierärztlicher Spezialisten (für Zähne, Auge, Internistik und Neurologie beispielsweise) und auch anderer Professionen, wie manuellen Therapeuten braucht, um ans Ziel kommen.

Da dieser Symptomkomplex recht unübersichtlich und schwierig zu diagnostizieren ist, findet man leider auch in der Fachwelt immer wieder unterschiedliche Meinungen oder Behandlungsansätze, zur Verunsicherung der Pferdebesitzer.
Natürlich hält jeder seine Methode für am meisten zweckdienlich. Das aber ein Headshaker mit nur einem Symptom (Headshaking) unzählig verschiedene, mögliche Ursachen haben kann, erklärt die scheinbare „Unzuverlässigkeit“ einzelner Methoden.

 
Was genau ist Headshaking also?


Headshaking ist ein Symptom (Anzeichen) wie beispielsweise Fieber oder Kolik und kann verschiedene und auch mehrere Ursachen zugleich haben.

Das Pferd als Headshaker äussert Schmerz, Verspannung oder Unwohlsein (wie ein Kitzeln oder Juckreiz) in einer schlagenden oder zuckenden Bewegung des Kopfes und Halses, machmal auch durch Reiben der Nase. Dabei ist die Ausprägung und Intensität sehr unterschiedlich und in manchen Fällen hinweisend auf die Ursache.
 
Die Ursachen des Headshaking können vielfältig sein und man kann zwischen einem „echten“, idiopathischen Headshaker (nach Ausschlussdiagnostik Annahme der Trigeminus-Neuralgie) und einem symptomatischen Headshaker (Ursachen: Zahnproblem, Hautproblem, Allergie, Nebenhöhlenproblem, Augenproblem bzw. Lichtempfindlichkeit, Ohrenproblem oder Muskulo-Skeletales Problem) unterscheiden.

Als eine der gesicherten Ursachen gilt die Trigeminus-Neuralgie, bei der ein ansonsten unspektalurärer Reiz eine extreme Reaktion auslöst. Dabei ist die Hemmschwelle des Nerven oder seiner Nervenäste stark herabgesetzt und schon ein Windhauch, Regentropfen oder Insekt wird als starker Reiz bis hin zum starken Schmerz empfunden. Der Nervus Trigeminus teilt sich vom Gehirn kommend in drei Äste auf: Nervus mandibularis im Unterkiefer (v.a. die Unterkieferzähne versorgend), N. maxillaris im Oberkiefer (v.a. die Oberkieferzähne und das Angesicht versorgend) und N. ophtalmicus, die Augen und ihre Umgebung innervierend.
Verschiedene veterinärmedizinische Institutionen und Kliniken, sowie interessierte Praktiker beschäftigen sich mit diesem Thema und helfen, dieser noch nicht endgültig erforschten Erkrankung auf den Grund zu kommen.
(Für Interessierte: Wikipedia bietet eine gute, übersichtliche Einleitung zur Trigeminus-Neuralgie beim Menschen.)

Symptomatische Headshaker sind Pferde mit schmerzhaften oder anderweitig beeinträchtigenden Problemen im gesamten Kopf und Halsbereich. Augenprobleme bringen die sogenannte Photophobie zutage, Verkalkungen im Nackenband verursachen Schmerzen beim Durchstellen des Pferdes unter dem Sattel oder ein infizierter Zahn löst die auch uns Menschen bekannten, stechenden bis dumpfen Zahnschmerzen aus, um nur einige Beispiele zu nennen.

 
Die Pferdezahnheilkunde bildet demnach einen großen Baustein in der meist sehr aufwendigen Diagnostik eines Headshakers, nicht zuletzt aufgrund erforderlicher Kenntnisse der Kopfanatomie.
Nicht selten äussern Pferde ihren Zahnschmerz oder unangenehmen Druck im Bereich der Zähne mit einer meist vertikalen, kopfschlagenden Bewegung.
Erkrankungen wie EOTRH, Wurzel- und Nasennebenhöhlenentzündungen, aber auch „einfach“ nur Wolfszähne, scharfe Kanten oder Rampen können die Pferde so anzeigen.
Es gibt sehr viele Ursachen, auch ausserhalb der Zahnheilkunde, von denen nicht wenige in Verbindung mit den Zähnen stehen. Oft sind es auch Ursachenkomplexe. So treten beispielsweise Blockaden und Verspannungen des Halses und Rückens nicht selten zusammen mit Befunden an den Zähnen auf.
Ein Pferd mit Haken, Rampen oder schiefem Biss kann sich natürlich im Unterkiefer und oberen Hals nicht fallen lassen.
 
Neben einer gründlichen Maulhöhlenuntersuchung sind eine sehr gezielte und ausführliche Anamnese, sowie die bildgebende Diagnostik zielführend, was zahnverbundene Ursachen betrifft.
(Endoskopie der oberen Atemwege, sowie der Nasennebenhöhlen, Röntgen des Schädels und des Nackens – wesentlich besser und eindeutiger ist eine Untersuchung im Computertomographen).
Um die Symptomatik weiter zu verstehen, gehört aber auch eine gründliche allgemeintierärztliche Untersuchung dazu.
Manuelle Therapie bzw. Untersuchungsformen sollten meiner Meinung nach ebenfalls Teil des Prozesses sein.
Eine Blutuntersuchung / Allergietest kann die Liste vervollständigen, ist aber nicht Mittel der ersten Wahl.
Letztlich kommt man durch systematische Ausschlussdiagnostik und Abarbeiten der einzelnen, in Frage kommenden anatomischen Punkte zum Ergebnis bzw. kann, und das ist ein nicht zu unterschätzender Punkt, viele Ursachen zumindest ausschliessen. Denn es gibt leider immer wieder Fälle, in denen die Ursache nicht oder nicht vollständig geklärt werden kann.
Die Behandlung eines Headshakers hängt natürlich, wie eigentlich jede Erkrankung, von seiner Ursache ab, jedoch gibt es für die „echten“, idiopathischen Headshaker noch keine Routinebehandlung. Verschiedene Behandlungsangebote zur Neurostimulation (z. B. PENS) existieren, vor allem in Großbritannien.
Allen symptomatischen Headshaker kann hoffentlich durch die Behandlung der jeweiligen Grunderkrankung geholfen werden.
Was kann ich tun?
Leider kann man, ohne die Ursache/n zu kennen, nur wenig, oder nur kurzweilig Linderung für sein Pferd schaffen.
Sollten Sie den Verdacht haben, dass ihr Pferde ein „Shaker“ ist, ist es sinnvoll, Ihr Pferd genau zu beobachten und dies ggf. schriftlich festzuhalten, bevor Sie Hilfe holen.
Hier sind Informationen zu folgenden Punkten wichtig:

  • Saisonalität (Winter vs. Sommer)
    Tageszeitliche und Wetter-Abhängigkeiten
  • Auftreten in Herde bzw. freilaufend oder unter Reiter bzw. Longe o.ä.
  • Mit Trensengebiss vs ohne
  • Art (Kopf“werfen“ oder Zucken?) und Ausprägung des Shakens: vertikal, horizontal, kreiselnd
  • Reiben der Nase, Schnauben, Lippenzucken, Augenkneifen, Blinzeln, Tränenfluss etc.
  • Kopfschiefhaltung, häufiges Schütteln
  • Apathie, Schmerzverhalten (hier klicken um mehr zu erfahren)
  • Fressbeschwerden, „dippen“ des Heus in Wasser, speicheln, Nasenausfluss
  • Impfstatus
  • Zahnbehandlungshistorie (alte Befundbögen oder Aufzeichnungen?)
  • Historie zu manuellen Therapien in der letzen Zeit
  • Fanden Operationen am Kopf/Hals statt?
  • Änderungen in der Herdenzusammensetzung
Als kleiner Einblick welche Erkrankungen ursächlich sein können habe ich hier eine Liste der Differentialdiagnosen von Cook et.al. aus dem Jahre 1980.
Dieses Thema ist abendfüllend und ich habe mit meiner kurzen Abhandlung sicher nicht alle Punkte dieser diffizilen Erkrankung bzw. Symptomatik erfassen können. Ich bemühe mich in der Zukunft eventuell näher auf die einzelnen Behandlungsansätze, insbesondere diejenigen, die die Pferdezahnheilkunde betreffen, einzugehen.
Bis dahin stehe ich für Fragen zum Headshaking gerne zur Verfügung!
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